Es liegt alles beriet in dir. Dein Naturfeld darf sich entfalten.

Naturfeld Praxis

Balanciert durchs Leben

mit Kinesiologie und mehr...

November 2020


 Schule  im  Aufbruch


Schule. Ein Wort, das mit Lernen und ganz vielen Erinnerungen und Emotionen verbunden ist. Aber was ist denn Lernen?

Jeder Mensch kann und will lernen. Der Zugang zum Lernen und zum Erfolg liegt uns allen inne und ist uns allen möglich. Um dies zu unterlegen, machen wir jetzt eine kleine Zeitreise.

Du wurdest vor kurzer oder längerer Zeit geboren. Du entwickeltest dich zuerst in der Schwerelosigkeit des Fruchtwassers in der Geborgenheit des Bauches deiner Mutter. Und plötzlich war sie zu spüren, diese Schwerkraft. Und es dauerte einige Zeit, bis du dich an diese Schwerkraft gewöhnt konntest.

Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute eignetest du dir Schritt für Schritt diese für uns so selbstverständliche Fähigkeiten an. Du bewogst dich zuerst intuitiv zur Brust deiner Mutter dank deiner Urreflexe. Dann lerntest du deine Muskel zuerst unkontrolliert und dann bewusst einzusetzen. Ganze 5 Monate dauerte es, bis du dich auf dem Bauch umdrehen konntest. Mit sieben Monaten saßest du frei. Mit zehn Monaten krabbeltest du. Mit 12 Monaten warst du selbstständig auf deinen eigenen kleinen Füßen unterwegs, weiterhin voller Neugier und Lernbereitschaft. Deine Eltern begleiteten dich liebevoll durch diese ersten Lernphasen. Du wuchsest heran, sammeltest deine Erfahrungen, lerntest bei jeder Gelegenheit mit Freude und Begeisterung dazu. Wie gerne ich an diese Zeit mit meinen drei Kindern zurück denke!

Und irgendwann sitzen sie in der Unterstufe. Frustriert. Lustlos. Desinteressiert. Demotiviert. Nanu… was ist denn da passiert? Wo ist eure innere Wissensbegierde, eure innere Antriebskraft geblieben, meine geliebten Kinder? Ihr habt in der dunklen Jahreszeit kaum noch Zeit, mit euren Freunden draußen zu spielen. Euch bleibt nichts Anderes übrig, als eure sozialen Kontakten auf Video Calls aufs Handy zu verlegen.

Meine mittlere Tochter ist sehr ruhig und introvertiert. Sie ist einfühlsam, spürt viele Energie. Sie ist mit ihren Wörtern sparsam; diese haben eine tiefe Wirkung auf ihre Umgebung. Das haben nun auch ihre Lehrer erkannt. In der Woche vor den Herbstferien, bat sie ihren Klassenvorstand um ein Gespräch. Sie erklärte ruhig die derzeitige Situation ihrer Mitschüler. Mündliche Wiederholungen, schriftliche Tests und Lernzielkontrollen finden täglich statt. Stoff der aktuellen Schulstufe und des Corona-Semesters werden geprüft. Sie kann vor lauter Standard-Prüfungen nicht mehr das Lernen genießen. Sie tue sich jedoch jetzt schwer, dem Tempo zu folgen. In der Eile und im Stress kann sie auch nicht das Erlernte so wiedergeben, wie sie es wirklich könnte. Ihr Klassenvorstand sprach Mitgefühl aus und fragte, ob sie eine Lösung hätte.

Sie wurde ein zweites Mal mutig und brachte ihre Vorschläge ein:

  • Statt einzelne Wiederholungen vor der gesamten Klassen würde sie das Wiedergeben zwischen den Schülern bevorzugen.
  • Kleine Experimente selber vorstellen, anstatt die Theorie schriftlich abzufragen.
  • Den Unterricht nach draußen verlegen, wo es auch möglich ist. In der Wiese über Spinnentiere zu lernen ist doch einprägsamer als im Klassenzimmer! Oder die zahlreichen Denkmäler in der Stadt an Ort und Stelle begutachten und die geschichtlichen Ereignisse dort beibringen.
  • Die Starken unterstützen die Noch-Nicht-So-Starken. Den visuellen online Unterricht, den ihre Lehrer in der Corona-Zeit nicht anboten, organisierten sich die Schüler selber mit WhatsApp Video Calls. Dies möchte sie auch im Unterricht in der Schule in der jeweiligen Einheit erleben. Förderunterricht als fester Bestandteile im Stundenplan.
  • In der ersten Stunde kann ich einfach kein Englisch lernen. Mathe aber schon. Wieso kann ich nicht entscheiden, wann ich was lerne?
  • Mehr Pflanzen im Klassenzimmer. Am liebsten Bäume... ein Wald. Aber das gehe zu weit, weiß sie.
  • Mit grünem Stift die Tests korrigieren. Und auch das hervorheben, was einem gut gelungen ist.
  • Ich tue mir leichter, meine Englisch-Schulübungen beim Sprechen zu erledigen. Ich möchte es auch in der Klasse tun dürfen. Wieso darf der Junge neben ihr denn nicht am Sessel wippen, wenn er die Bewegung zum Verständnis benötigt? Die Lehrer gehen beim Unterrichten doch auch in die Klasse herum. Warum darf die Freundin nicht gleich in der Einheit ihre Hefte gleich bunt verzieren, wenn es ihr das sofortige Lernen erleichtert? Wieso werden die Fragen, die zu sehr in die Tiefe gehen, erst gar nicht betrachtet?

Ja… warum denn nicht?

Der Klassenvorstand bedankte sich bei meiner Tochter für ihre "revolutionären Ideen". Sie werde sich etwas für ihr Fach Mathe überlegen. Schularbeit muss sein. Jedoch für die Tests dazwischen wird sie sich ein Konzept mit ihren Schülern ausdenken. Mittlerweile holte sie auch ihre Geschichte-Lehrerin ins Boot! Hoch ansteckend diese Revolution! Ich hoffe, dass aus dieser ansteckenden Revolution eine Pandemie wird. Ich hoffe, dass viele Lehrer sich dieses Feedback zu Herzen nehmen und mit ihren Schülern nun eine neue Schule gemeinsam definieren.

Ich sehe keine Bösartigkeit in diesem Schulsystem. Ich glaube jedoch, dass es an seine Grenzen angekommen ist und hier und jetzt ein Update benötigt, um sich auf die Kinder der neuen Zeit anzupassen. Denn so sollte es sein: die Schule sollte sich an die Bedürfnisse der Kinder anpassen. Und nicht nur die Kinder an jene der Schule. Es fordert Mut, Ausdauer, Kreativität, Umdenken, Vertrauen und ja, auch etwas kindlichen Leichtsinn!

Und dies geht. Ich hörte zum Beispiel von einer Volksschule in der Schweiz, die die Hausaufgaben abgeschafft hat. Seitdem spielen die Kinder vermehrt draußen miteinander. Ein weiteres Beispiel sind die alternativen Schulen, meist in Vereinsstruktur mit Elterndienst. Es sind punktuelle lokale Lösungen vorhanden.

Um hier Martin Luther King zu zitieren: „I have a dream“: Ich träume von öffentlichen Schulen, die genauso arbeiten. Lass die Alternative zum neuen Standard werden. Aus diesem Traum entwickle ich meine Vision. Aus dieser Vision Ziele. Aus diesen Zielen Projekte. Ich bin aktiv. Für meine Kinder, für deine Kinder, für ihre Kinder…

Ich erkenne aus den Erzählungen meiner Kinder, von Freunden und von Klienten ganz dringende Appelle zur Rückkehr zum natürlichen Lernen. Und das möchte ich dir hier kurz und bündig erklären.

  • Die Kinder lernen von alleine, wenn die Rahmenbedingungen passen.
  • Schüler lernen am leichtesten von anderen Schülern.
  • Neuerlerntes kann erst wiedergegeben werden, wenn es integriert, verarbeitet und befestigt wurde.
  • Lernen nach dem eigenen Rhythmus. Sein Tun, seine Pausen, seine Umgebung daran anpassen. Und ja: der Blick auf große Pflanzen oder auf grüne Farbe ist da auch schon sehr hilfreich!
  • Lernen nach dem eigenen Lerntyp. Es gibt verschiedene Lerntypen in der Klasse, jedoch (meistens) nur einen Lehrtyp. Dies wird in der pädagogischen Hochschule zwar gelehrt, jedoch ist so vom Lehrer abhängig, dass es großflächig nicht relevant wird. Alle Kinder sollen ihren Raum im Unterricht nehmen können, unabhängig vom Lern- und Lehrstil!
  • Lernen als Förderung und nicht als Pflicht sehen und danach leben.
  • Das Lernen wird derzeit von außen bestimmt. Die Stundenpläne sind starr, sollten jedoch auf den Rhythmus der Kinder angepasst werden.
  • Die Leistungsbestätigung ist extrovertiert, d.h. sie basiert auf Lob oder Tadel, gute oder schlechte Note. Ich plädiere für ein introvertiertes System: es soll beurteilt werden, dass die Kinder ihr Bestes geben. So kann übrigens auch gewährleistet werden, dass die zukünftigen Erwachsene und zukünftigen Gesellschaftsgestalter ein gesundes Wertesystem entwickeln.

Irrealistisch? Utopisch? Quatsch? Unmöglich? Wusstest du, dass sich Albert Einstein damals mit dem Geist an der Schule auch nicht anfreunden konnte? Er hatte in der Volkschule und im Gymnasium immer größere Probleme mit dem Lernen und mit einigen Lehrern. Er verließ sogar das Gymnasium vorzeitig, ohne Abschluss. Es werde nie in seinem Leben etwas Rechtes aus ihm werden, meinten seine Lehrer. Es dauerte eine Weile, bis das weltberühmte Genie seine Reifeprüfung in einer anderen Schule nachholte. Er wurde von einem engagierten offenen Lehrer betreut. Die Geschichte ging gut aus… heute ist der schlechte Schüler für seine wissenschaftlich bahnbrechenden Entdeckungen und Theorien weltberühmt.


Querdenken und Bahnbrechen lohnt sich also. Die derzeitige Welt verändert sich schnell. Nach dieser Pandemie wird sie nicht mehr die gleiche sein. Es hängt an jeden Einzelnen von uns, seine kleine Revolution zu starten. In Respekt, Dankbarkeit und zum Wohle des Ganzen. Veränderung beginnt im Kopf. Veränderung beginnt mit kleinen Schritten. Veränderung beginnt mit Mut. Veränderung beginnt hier und jetzt.

In meiner konkreten Arbeit als Kinesiologie unterstütze ich Kinder, ihr Potential zu erkennen und zu entfalten. Als lizenzierte Brain Gym® Anwenderin darf ich diese Wege auch an Schulen und Institutionen weitergeben. Ich gründete im Sommer mit engagierten Kolleginnen den Verband „Brain Gym Österreich“, um dies auch österreichweit zu fördern und uns gegenseitig zu unterstützen. Ich übernehme die Elternvertretung für die Schulklassen meiner Kinder – denn aktiv Gestalten kann ich leichter als Teil des Systems.

Zum Abschluss möchte ich dich auf ein Buch aufmerksam machen: „Die Glückschule“ von Daniel Hess. Der Autor schreibt darüber, welche Rolle jeder Einzelne für den Wandel in Schule und Gesellschaft trägt und liefert wertvolle praktischen Tipps. Ja: ich werbe für das Buch, da ich es für sinn-voll und r-evolution-när halte! Evolution steckt ja in Revolution.

Gemeinsam können wir diese bessere Schulwelt erschaffen! Welche Erfahrungen hast du mit deinen Kindern, Enkeln, Nichten, Neffen, Nachbarkinder oder vielleicht mit deinen Schülern gemacht? Welche Einsichten vertrittst du? Welche Ideen hast du? Brauchst du Unterstützung? Schreibe mich gerne an. Ich freue mich auf deine Erfahrung, auf deine Meinung, auf deine Wahrheit.

 
 
 
 

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